Reflexion

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie eine Reflexionsrunde ablaufen kann, finden Sie hier einen Film, der die Reflexion des zweiten Planspieltages dokumentiert.

 

 

Nach jedem Planspieltag bzw. den Planspielstaffeln in „Die-Beste-Aller-Welten“ ist es entscheidend, einen geeigneten Übergang zurück zur Alltagswelt zu finden. Die durch die Spielleitung moderierte Auswertungsrunde dient dazu, die Eindrücke des Spieltages gezielt zu bearbeiten, mögliche emotionale Spannungen zu klären und psychische Belastungen von Teilnehmenden (TN) durch reflektierende Nacharbeit zu vermeiden.
Nach Ausfüllen der Reflexionsleitfäden (M 18) werden nun – zurück im Plenum – zunächst die persönlichen Lebensläufe (M 3), mit denen die TN am Anfang des Spiels ihre eigene Rolle entwickelt haben und die die TN bisher wie „Ausweise“ aufbewahrt hatten, in die Mitte des Stuhlkreises gelegt oder wahlweise in den Papierkorb geworfen. Dies dient als symbolischer Akt, um am Ende des Tages aus der Spielrolle auszutreten und die eigene Persönlichkeit wieder anzunehmen. Damit soll noch einmal deutlich werden, dass alle TN eine Spielpersönlichkeit hatten, die von ihrer eigenen zu unterscheiden ist. Alles, was im Spiel geschehen ist, ist also mit der Realität nicht zu vermischen.
Ganz gleich wie das Planspiel am Ende ausgegangen ist, die abschließende Reflexion ermöglicht es, nach anderen Lösungen zu fragen und die Jugendlichen damit zu konfrontieren.
Im Folgenden wird ein Leitfaden für eine mögliche Reflexion gegeben, welcher sich in den bisherigen Durchführungen des Planspiels als geeignet herausstellte. Selbstverständlich sollte dabei die Einzigartigkeit jeder Gruppe im Blick behalten werden, da jede Gruppe ihre speziellen Themenfelder mit sich bringt, welche es aufzugreifen gilt. Zudem kann in einer Reflexionsrunde nie alles thematisiert werden. Da die TN nach der Durchführung des Planspiels oft erschöpft sind, sollte sich die Reflexion nicht zu sehr in die Länge ziehen. Noch offen gelassene Themenfelder können später, z.B. in folgenden Unterrichtseinheiten, wieder aufgegriffen werden.

 

1) Zunächst empfiehlt sich ein Blitzlicht, um ein allgemeines, spontanes Stimmungsbild von der Teilnehmenden-Gruppe zu erhalten: Wie war der Tag? Hat er gefallen oder eher nicht? Was war gut, was war schlecht? Warum?

2) Danach empfehlen wir eine Spielrückschau, um die TN zur eigenen Reflexion von Spielprozess und Spielergebnis anzuregen. Es ist wichtig, konkrete Geschehnisse im Spiel zurückzuverfolgen und zu beleuchten. Gerade die Spannung zwischen persönlicher Motivation, (Vor-)Erwartung, Zielsetzung, dem eigenen Einsatz jeder und jedes Einzelnen und den tatsächlichen Ergebnissen in der Gruppe kann in der Reflexion thematisiert werden. Hier kann auch auf gruppendynamische Geschehnisse während des Spiels eingegangen werden. Es kann geklärt werden, wie es dazu kam und dabei alternative Handlungsmöglichkeiten Einzelner und der Gruppe erarbeitet werden. Besondere Fragen bieten sich bezüglich der Strategien und Machtpositionen an:

Strategien:

  • Was haben die Jugendlichen dafür getan, ihre Interessen zu vertreten? Welche Strategien haben sie genutzt?
  • Was haben die Nachbarn getan, um ihre Interessen zu vertreten?
  • Welche Chancen hätten die Jugendlichen bzw. die Nachbarn noch gehabt? Auf welche Rechte hätten sie sich berufen können?
  • Welche Strategien hätte es noch gegeben?
  • Welche Strategie hat das Medienteam/"Rüsseldorf-TV" verfolgt? Haben die anderen Gruppen sie erkannt? Welche war es wirklich?

Politische Machtpositionen: Zwischen Macht und Verantwortung

  • Wie leicht bzw. schwer war es für die Jugendlichen, ihre Interessen durchzusetzen?
  • Wie leicht bzw. schwer war es für die Nachbarn, die Mehrheit für sich zu gewinnen?
  • Wie leicht bzw. schwer war es, in der Opposition die Entscheidung mitzubestimmen?
  • Wie war es für die Mehrheit, entscheiden zu dürfen bzw. zu müssen?
  • Wie war es, Bürgermeister/-in zu sein? Hattest Du wirklich viel Macht? Was war anstrengend? Was hast Du versucht? Warum glaubst Du, hat es gut bzw. nicht so gut geklappt?

3) Der dritte Schritt der Reflexion soll einen Transfer in den Alltag ermöglichen. Er dient dazu, die persönlichen Erfahrungen während des Spiels mit der Alltagswelt der Jugendlichen zu verknüpfen und auf entsprechende gesellschaftliche und politische Ebenen zu übertragen. Beispiele für weiterführende Fragen sind:

  • Welche Parteien kennt Ihr? Was wisst Ihr über die Wahlprogramme von Parteien?
  • Warum ist es wichtig, dass es Oppositionsparteien gibt?
  • Was ist es schwer daran, Politiker/-in zu sein?
  • Welche Möglichkeiten habt Ihr, Euch auf kommunaler Ebene für Eure Interessen einzusetzen?
  • Welche Rolle spielen Sympathie, Gesetze und Argumente in politischen Verfahren?
  • Was zeichnet demokratische Entscheidungsverfahren aus?
  • Welche Medien kennt Ihr, die ähnlich agieren, wie das Medienteam in Rüsseldorf? Gibt es Unterschiede? Welche?

4) Nun können durch gezielte Fragen Themenbereiche aus dem Planspiel aufgegriffen werden, die im individuellen Spielverlauf von Bedeutung waren und der Spielleitung allgemein für die Gruppe wichtig erscheinen. So könnte ein Ziel sein, die Meinungsvielfalt in Gruppen heraus zu stellen (Beispiele für Fragen wären: Müssen alle einer Meinung sein, um mitreden zu dürfen? Wäre das Spiel noch spannend gewesen, wenn immer alle einer Meinung gewesen wären?). Wichtig kann auch sein, den Zusammenhang zwischen Spiel und Realität anzusprechen, da dieser in intensiv erlebten Spielphasen manchmal verschwimmt (Ab wann wurde aus dem Spiel Ernst? Warum?). Hier können auch die verschiedenen Strategien angesprochen werden, die die einzelnen Gruppen angewandt haben, um ihre Interessen durchzusetzen, und es kann darüber gesprochen werden, wie die TN ihre jeweilige Position in der kommunalen Politik wahrgenommen haben (Warst Du gerne Bürgermeister/-in? Was war daran gut, was war schwierig? Wie leicht bzw. schwer war es, als Opposition die Entscheidungen zu beeinflussen? Wärst Du lieber in einer anderen Position gewesen? Welche Rolle spielte „Rüsseldorf TV“ in dem Prozess?).
Hier können auch weitere Themen angesprochen werden, die in der Reflexion des ersten Planspieltages bereits genannt wurden!

5) Abschließend ist es sinnvoll, die TN auf die Frage „Was nehme ich mit?“ schriftlich antworten zu lassen. Diese Antworten werden ohne direkte Besprechung von der Lehrperson lediglich eingesammelt und dienen den Teilnehmenden dazu, noch einmal still für sich darüber nachzudenken, was sie aus dem Spieltag mitnehmen. Der Lehrperson bietet dies die Möglichkeit, vielleicht in der offenen Runde zurückgehaltene Gedanken der TN zu erfahren.