Phase 1

Anleitung

Die pädagogische Leitung (Lehrer/-in, Leiter/-in) der Klasse oder Gruppe hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Einführung des Planspiels:

Variante mit Laptop und Beamer Variante mit eigener Darstellung und Papier
Hier werden alle drei Phasen des Planspieltages jeweils mit Einspielern (Videos), die sich auf der DVD befinden, eingeleitet Hier werden die Texte auf der DVD genutzt und in eine eigene verbale Einführung durch die Lehrkraft/Leitung umgesetzt
Unter der Spielanleitung und dem Material finden sich die entsprechenden Einspieler und Materialien Unter der Spielanleitung und dem Material finden sich alle einzusetzenden Texte

In der ersten Phase des Planspieltages sind fünf Schritte notwendig:

  • Schritt 1: Vorstellung der Grundproblematik in Rüsseldorf (M 1/E 1).
  • Schritt 2: Einteilung der Gruppen in sechs Kleingruppen: Mehrheitsfraktion im Stadtrat, Oppositionsfraktion im Stadtrat, Stadtverwaltung, Jugendinitiative „Pro Juze“, Bürgerinitiative, bestehend aus den Nachbarn des ins Auge gefassten Jugendzentrums, Rüsseldorf-TV/Rüsseldorfer Tageblatt.
  • Schritt 3: Erstellung eines individuellen Lebenslaufes (M 3).
  • Schritt 4: Einarbeiten des Medienteams "Rüsseldorf TV/Tageblatt" mit Hilfe des Material Medienteam (Medien E 1-3).
  • Schritt 5: Erste offizielle Ratssitzung mit der Vereidigung der/des Bürgermeister/-in und der Ratsmitglieder.

Setting

Entscheidungsverhalten in der kommunalen Demokratie wird in Rüsseldorf an einem konkreten Beispiel erprobt. Dazu erhalten die Akteur/-innen von „Die Beste Aller Welten“ neue Rollen. Sie finden sich in der Kleinstadt Rüsseldorf wieder und sollen dort eine Entscheidung über die Einrichtung eines Jugendzentrums inmitten eines Villenviertels treffen. Dabei sind sie an die Regeln gebunden, die nach der Gemeindeordnung in Rüsseldorf gültig sind. Sie übernehmen also Rollen, die bei Entscheidungen in der Kommunalpolitik von Bedeutung sind. Die in den verschiedenen Bundesländern gültigen Regeln stimmen in dem in diesem Spiel notwendigen Umfang (Mehrheitsentscheidungen, Möglichkeit von Bürgeranträgen u.ä.) im Wesentlichen überein. Auf einige Abweichungen wird im Kapitel „Für Lehrende“ näher eingegangen.
Ort der Handlung ist das kleine Städtchen Rüsseldorf, ein Kurort mit ungefähr 6.000 Einwohner/-innen. Es gibt ein paar Cafés, Restaurants, Kneipen und auch ein kleines Kino. Aber Rüsseldorf hat leider keinen Ort, an dem sich Jugendliche treffen können. Deswegen treffen sich die Jugendlichen von Rüsseldorf meistens in einem Gebiet hinter dem Bahnhof. Dieses Gebiet liegt aber leider mitten im Naturschutzgebiet. Immer wieder haben sich Anwohnerinnen und Anwohner beschwert, dass durch die Jugendlichen dort einfach zu viel Schmutz entsteht. Durch das Testament der jüngst verstorbenen Rentnerin Erna Jung hat sich der Stadt Rüsseldorf eine einmalige Chance ergeben, dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Erna Jung verfügte in ihrem letzten Willen, dass ihre Villa in Rüsseldorf und weitere zusätzliche 300.000,- € der Stadt vermacht werden, wenn es dieser gelingt innerhalb eines Jahres aus der Villa ein Jugendzentrum zu errichten. Die 300.000,- € sind für die notwendigen Umbaumaßnahmen vorgesehen. Gelingt es der Stadt nicht, die hierzu die notwendigen Grundsatzbeschlüsse zu treffen, wird die Villa verkauft. Verkaufserlös und die 300.000,- € werden dann dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen gespendet.
Die verschiedenen Interessengruppen versuchen nun die Entscheidung des Rates nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen und die Umwandlung der Villa in ein Jugendzentrum zu verhindern, bzw. zu forcieren. Förderer dieses Jugendzentrums sind die Gruppen „Oppositionsfraktion im Stadtrat“ und die „Jugendinitiative ,Pro Juze’“, während die Gruppen „Mehrheitsfraktion im Stadtrat“ und die „Bürgerinitiative“ versuchen dies zu verhindern, bzw. so zu beeinflussen, dass eine für sie akzeptable Lösung gefunden wird. Die Gruppe „Stadtverwaltung“ ist eher vermittelnd angelegt und soll für den Ausgleich der verschiedenen Interessen und die Moderation der Ratssitzungen und ggf. Bürgerversammlungen sorgen. Die Presse/Mediengruppe begleitet diesen Prozess durch ihre Berichterstattung und die Kommentierung der Ereignisse. Sie kann selbstverständlich eigene Positionen entwickeln, aber auch von den einzelnen Spielgruppen als Medium genutzt werden (siehe dazu das Material Medienteam).
In der ersten Phase setzen sich die Gruppen zunächst mit ihrer Rolle in der Stadt Rüsseldorf auseinander. Sie entwickeln ihre individuellen Rollen. Das Medienteam erhält durch die Einspieler (Material Medienteam) Einblick in Strategien, technische Details und ihre Aufgaben im Spiel. Die Phase endet mit einer ersten Ratssitzung, in deren Verlauf der/die Bürgermeister/-in sowie die Ratsmitglieder vereidigt werden. Dieses Ende verstärkt die Rollenübernahme der Teilnehmenden.

Ziele

In der Lebenswelt geht es nicht mehr um die Erprobung verschiedener Systeme politischer Machtausübung, sondern um die Gewinnung von Handlungskompetenzen für die Durchsetzung politischer Inhalte im Rahmen der kommunalen Demokratie. Angesprochen ist hier also im Wesentlichen der Policy-Bereich. Die folgenden Teilziele sind erreichbar:

  • Die Teilnehmenden (TN) erproben die Definition von Zielen zur Durchsetzung von Interessen in der Gesellschaft;
  • Die TN erkennen durch eigenes Tun die Vielfältigkeit von Interessen, die für ein für alle auskömmliches Miteinander geregelt werden müssen;
  • Die TN erkennen, dass eine politische Entscheidung nur der letzte Schritt in einem langen Willensbildungsprozess ist, von dem viele Teilschritte außerhalb der politischen Öffentlichkeit vor dem und parallel zum politischen Prozess im engeren Sinne verlaufen;
  • Die TN erkennen, dass der tatsächliche Willensbildungs- und Entscheidungsprozess auch informelle Elemente, wie z.B. persönliche Kontakte zwischen Interessengruppen und politischen Entscheidungsträgern, enthält, deren Auswirkungen erheblich sein können.

Gruppe

Am zweiten Tag des Planspiels „Die Beste Aller Welten“ gibt es von Anfang an sechs verschiedene Gruppen, die auch während des Spiels gleich bleiben:

  • Die Mehrheitsfraktion im Stadtrat
  • Die Oppositionsfraktion im Stadtrat
  • Die Stadtverwaltung mit der/dem amtierenden Bürgermeister/-in
  • Eine Jugendinitiative „Pro Juze“
  • Eine Bürgerinitiative, bestehend aus den Nachbarn des ins Auge gefassten Jugendzentrums
  • Die ortsansässigen Medien: „Rüsseldorf-TV“

Die Gruppengröße ergibt sich aus der Gesamtzahl der Teilnehmenden (TN). Aus Gründen der Gruppendynamik sollte die Größe der einzelnen Gruppen vier nicht unter- und sieben nicht überschreiten. Bei weniger als vier TN je Gruppe besteht die Gefahr, dass Spielgruppen oder zumindest eine Gruppe wegen Arbeitsüberlastung den Spielfluss blockieren und u.U. auch demotiviert werden. Bei mehr als sechs TN besteht die Gefahr, dass nicht alle gleichmäßig in das Spielgeschehen eingebunden sind, was ebenfalls zu Frustrationen führen kann.
Wichtig ist, zu beachten, dass die Gruppe „Mehrheitsfraktion“ mehr TN hat als die Gruppe „Oppositionsfraktion“, um die Repräsentation im Rat der Stadt logisch zu erhalten.
Es hat sich im Allgemeinen als sinnvoll erwiesen, die Zuordnung zu den Spielgruppen nicht den TN zu überlassen. Solche nach Sympathie zusammengesetzte Gruppen bergen die Gefahr, dass sich spielerisch – z.B. vom Ideenreichtum her – überlegene Gruppen bilden, die mit ihren Einfällen das ganze Spiel dominieren, so dass unter Umständen die Ziele des Planspieles gefährdet sind. Daher empfehlen wir ein Losverfahren.
Bei Gruppen, die sich kennen, wie z.B. Schulklassen, kann die Auslosung allerdings auch dazu führen, dass bekannte Animositäten, Stärken und Schwächen einzelner TN die Durchführung des Planspiels behindern, weil diese aus dem Schulalltag in die Rollen übertragen werden. In diesen Fällen kann es mitunter günstig sein, dass die Spielleitung die Gruppeneinteilung vornimmt.
Eine Kompromisslösung kann darin liegen, dass den TN die Grundsätze der Gruppeneinteilung erläutert werden und sie daraufhin gebeten werden, sich selbst Gruppen zuzuordnen, wobei die Lehrpersonen sich das Recht vorbehalten, notfalls einzelne TN anderen als den Wunschgruppen zuzuordnen. Ergebnis dieses Schrittes ist ein Tafelbild oder eine Wandzeitung mit der Gruppeneinteilung. Eine solche Gruppeneinteilung setzt allerdings ein hohes „Fingerspitzengefühl“ auf Seiten der Leitung voraus.

Ablauf

Der Spieltag kann optional mit dem Zeigen des Raps „Scheiß auf Politik” begonnen werden (s. im Material: Rap; dazu ausführlicher „Für Lehrende“).

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Ablauf der Phase 1

Zeit Inhalt Aufgaben der Spielleitung Aufgaben der TN Material und Einspieler
15 Min. Vorbereitung des Spiels Die Gruppenraumschilder an die jeweiligen Raumtüren hängen;
Ratssaal einrichten:


  Leben M 14
Optional: 15 Min. Optional:
Ansehen des Raps „Scheiß auf Politik“ als Einstimmung
Optional:
Die Spielleitung beginnt den Tag mit dem Zeigen des Rap-Videos und lässt die TN kurz darüber sprechen: was sagt der Text aus? (s. dazu ausführlicher „Für Lehrende“)
Optional:
Die TN sehen den Rap und sprechen darüber/ interpretieren ihn kurz
Optional:
Leben E 0
15 Min.
Kennenlernen des Spiels und Gruppeneinteilung Vortragen der Ausgangslage und der wichtigsten Spielregeln; Gruppeneinteilung
Oder:
Zeigen des Einspielfilms, an der im Film angegebenen Stelle "Pause" drücken und Gruppen einteilen
Zuhören



Oder:
DVD ansehen;



Gruppenbildung


Leben M 1;



Leben E 1
30 Min. Einarbeiten in die Rollen Von Gruppe zu Gruppe gehen und ggf. helfen;








Oder:
Die Einspielfilme für die Kleingruppen zeigen und anschließend von Gruppe zu Gruppe gehen und ggf. helfen






Dem "Rüsseldorf-TV"-Team die Filme (Material Medienteam) zeigen

Die Ausgangslagen der eigenen Gruppe lesen und alleine oder in Zweiergruppen die eigene Spielpersönlichkeit entwickeln




Oder:
Den Einspielfilm gucken, die eigene Ausgangslage noch einmal nachlesen und die eigene Rolle entwickeln;
Verwaltungsgruppe benennt Bürgermeister/-in

Das "Rüsseldorf-TV"-Team guckt die Filme für das Medienteam an: entscheidet sich für eine Strategie und macht sich mit der Technik vertraut
Leben M 2
zur allgemeinen Information;
Leben M 3 zum Ausfüllen;
Leben M 4, 5, 6,
Leben 8 und 9 zum Lesen;

Leben E 1 (zweiter Teil),









Leben M 10 und Medien E 1-3 für das „Rüsseldorf-TV“-Team

15 Min. 1. Ratssitzung Sitzung bis zur Vereidigung der/s Bürgermeister/in leiten Bürgermeister/-in erhält ihre speziellen Regeln und legt den Amtseid ab;
Bürgermeister/-in vereidigt die Ratsmitglieder
Leben M 7