Phase 1

Anleitung

Die pädagogische Leitung (Lehrer/-in, Leiter/-in) der Klasse oder Gruppe hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Einführung des Planspiels:

Variante mit Laptop und Beamer Variante mit eigener Darstellung und Papier
Hier werden alle drei Phasen des Planspieltages jeweils mit Einspielern (Videos), die sich auf der DVD befinden, eingeleitet Hier werden die Texte auf der DVD genutzt und in eine eigene verbale Einführung durch die Lehrkraft/Leitung umgesetzt
Unter der Spielanleitung und dem Material finden sich die entsprechenden Einspieler und Materialien Unter der Spielanleitung und dem Material finden sich alle einzusetzenden Texte

In der ersten Phase des Planspieltages sind fünf Schritte notwendig:

  • Schritt 1: Vorstellung des Sinns des Spiels und der Rahmensetzung sowie der Regeln für das Spiel.
  • Schritt 2: Einteilung der Gruppen in vier Kleingruppen: die gelbe (Diktatur), die blaue (Monarchie), die rote (Demokratie) und die grüne (Gottesstaat).
  • Schritt 3: Erstellen eines individuellen Lebenslaufes (M 5: Anleitung zur Entwicklung der eigenen Rolle) in den Lebensformen.
  • Schritt 4: Erstellen einer Strategie (M 19: Strategiebogen für die Lebensform-Gruppen) in den Lebensformen und in der Mediengruppe mit Hilfe des Materials Medienteam (Medien E 1-3).
  • Schritt 5: Gemeinsames Treffen und Filmen der Entscheidung der Gesamtgruppe für eine Lebensform.

Setting

Durch Rollenvorgaben sind der Teilnehmenden-Gruppe bestimmte Lebensformen (diesen Ausdruck verstehen die Jugendlichen zunächst besser als Herrschaftsformen) vorgegeben. In diesen Rollenvorgaben erfahren sie im Laufe des Tages, dass die Lebensformen unterschiedliche Herrschaftsverhältnisse mit unterschiedlichen Wirkungen erzeugen.


Zunächst werden die Jugendlichen einer Lebensform oder dem Medienteam zugeteilt (zur Gruppeneinteilung s. das Kapitel „Gruppen“). Die Lebensform-Gruppen erarbeiten für diese ihr eigenes Rollenbild und dann eine Strategie, wie ihre Lebensform insgesamt auf der Insel durchgesetzt werden könnte.

Wenn die Möglichkeit besteht, die unter Material Medienteam zu findenden Filme zu zeigen, wird die Mediengruppe - das "Die-Beste-Aller-Welten"-Team - dazu angeregt, sich ihre Strategie auszuwählen und sich im weiteren Spielverlauf danach zu richten. Außerdem macht sie sich mit der Technik vertraut und lernt ihre Aufgaben während des Spiels kennen.

Die Lebensform-Gruppen haben ab der Phase der Strategieplanung die Möglichkeit, in Verhandlungen mit anderen Gruppen einzutreten, um herauszufinden, was diese wollen und planen. Das Medienteam kann beobachten, interviewen und filmen. Am Ende der Phase 1 steht eine Plenumphase, die auf maximal 30 min. begrenzt ist. In diesem Plenum beschließt die Gesamtgruppe eine Lebensform, nach der sie auf der Insel leben möchte. Hierzu sind alle Aktionen und Verhaltensweisen möglich, die der jeweiligen Gruppe zu ihrem Ziel verhelfen und die zu dem jeweiligen Charakter der Gruppe passen. So kann sich eine Gruppe „Diktatur“ durchaus einer demokratischen Abstimmung stellen, wenn sie die Teilnahme an der Abstimmung aus ihrer Logik heraus begründen kann, indem sie z.B. Druck auf einzelne TN ausübt, um das gewünschte Abstimmungsergebnis zu erhalten. Dieser Entscheidungsprozess wird als erste Folge der Reality Show „Die Beste Aller Welten“ gefilmt, um es zu Beginn der nächsten Spielphase zu senden.
Nach diesen 30 min. muss die Gruppe zu einem Ergebnis gekommen sein, nach welcher Lebensform sie leben möchte. Dieses Ergebnis muss nicht durch eine Abstimmung zu Stande gekommen sein, sondern kann auch durch die „Machtergreifung“ einer Gruppe geschehen sein. Kommt es zu keiner Entscheidung, dann greift die Spielleitung mit einer vorbereiteten Abstimmung ein (M 21: Entscheidungskarte: Zwang zur Entscheidung und M 22: Stimmkarten für die geheime Abstimmung).

Ziele

Die erste Staffel dient dazu, im Rahmen der dreistufigen Spielhandlung verschiedene Ansätze zur Lösung von Konflikten zu erproben. Außerdem werden die Teilnehmenden (TN) erstmalig aus der Alltagsrolle als Konsument/-innen von Fernsehunterhaltung in die von Macher/-innen und Schauspieler/-innen versetzt. Dabei müssen sie durchaus reale Probleme lösen. Die mit der ersten Phase der Staffel 1 intendierten Ziele sind vorrangig:

  • die TN erproben verschiedene Formen gesellschaftlicher Entscheidungsfindung;
  • die TN werden befähigt, als Betroffene ihre eigenen Bedürfnisse in diesen Prozess einzubringen, eine vorgegebene Rolle mit eigenen Rollenaspekten zu erweitern und sich in Rollen einzufinden, die möglicherweise nicht der eigenen Überzeugung entsprechen;
  • die TN lernen, mit anderen Personen und Gruppen, die z.T. entgegengesetzte Interessen haben, in Verhandlung zu treten, sich Bündnispartner zu suchen und sich Strategien zu überlegen, wie sie am besten zu ihrem Ziel kommen können;
  • die TN erkennen, dass Entscheidungen sowohl intendierte wie nicht intendierte und häufig auch nicht sofort erkennbare Auswirkungen haben;
  • die TN lernen die Strukturen des Willensbildungs- und Entscheidungssystems in verschiedenen Lebensformen kennen;
  • die TN erfahren, wie Marktmechanismen die Produktion von populären Formaten in den Massenmedien beeinflussen;
  • die TN erkennen grundlegende politische Lebensformen in ihren Auswirkungen auf gesellschaftliches Verhalten und Machtstrategien;
  • die TN erkennen die Notwendigkeit bestimmter Regeln bei der Machtübernahme.

Gruppen

Das Planspiel wird als komplexes Planspiel mit fünf Gruppen gespielt. Günstig sind Gruppengrößen zwischen 20-30 Teilnehmer/-innen (TN). Die Gruppengröße ergibt sich aus der Gesamtzahl der TN. Aus Gründen der Gruppendynamik sollte die Größe der einzelnen Gruppen vier nicht unter- und sieben nicht überschreiten. Bei weniger als vier TN je Gruppe besteht die Gefahr, dass Spielgruppen oder zumindest eine Gruppe wegen Arbeitsüberlastung den Spielfluss blockieren und u.U. auch demotiviert werden. Bei mehr als sechs TN besteht die Gefahr, dass nicht alle gleichmäßig in das Spielgeschehen eingebunden sind, was ebenfalls zu Frustrationen führen kann.
Es hat sich im Allgemeinen als sinnvoll erwiesen, die Zuordnung zu den Spielgruppen nicht den TN zu überlassen. Solche nach Sympathie zusammengesetzte Gruppen bergen die Gefahr, dass sich spielerisch – z.B. vom Ideenreichtum her – überlegene Gruppen bilden, die mit ihren Einfällen das ganze Spiel dominieren, so dass unter Umständen die Ziele des Planspieles gefährdet sind. Daher empfehlen wir ein Losverfahren.
Bei Gruppen, die sich kennen, wie z.B. Schulklassen, kann die Auslosung allerdings auch dazu führen, dass bekannte Animositäten, Stärken und Schwächen einzelner TN die Durchführung des Planspiels behindern, weil diese aus dem Schulalltag in die Rollen übertragen werden. In diesen Fällen kann es mitunter günstig sein, dass die Spielleitung die Gruppeneinteilung vornimmt.
Eine Kompromisslösung kann darin liegen, dass den TN die Grundsätze der Gruppeneinteilung erläutert werden und sie daraufhin gebeten werden, sich selbst Gruppen zuzuordnen, wobei die Lehrpersonen sich das Recht vorbehalten, notfalls einzelne TN anderen als den Wunschgruppen zuzuordnen. Ergebnis dieses Schrittes ist ein Tafelbild oder eine Wandzeitung mit der Gruppeneinteilung. Eine solche Gruppeneinteilung setzt allerdings ein hohes „Fingerspitzengefühl“ auf Seiten der Leitung voraus.
Das „Die-Beste-Aller-Welten”-Team, die Produktionsleitung der Reality Show, sollte so besetzt sein, dass zumindest eine Person die notwendigen Fertigkeiten im Umgang mit Kamera und PC - soweit diese vorhanden sind - hat.

Das Setting der ersten Phase des Planspieltages sieht vor, dass die folgenden Gruppen am Spiel beteiligt sind:

  • Gruppe Schauspieler/-innen mit fundamentalistisch-religiöser Grundeinstellung;
  • Gruppe Schauspieler/-innen mit demokratischer Grundeinstellung;
  • Gruppe Schauspieler/-innen mit monarchischer Grundeinstellung;
  • Gruppe Schauspieler/-innen mit diktatorischer Grundeinstellung;
  • Gruppe Medienteam/Produktionsleitung der Reality-Show „Die Beste Aller Welten“: das „Die-Beste-Aller-Welten“-Team.

Ablauf

Für die Durchführung der ersten Staffel ist ein Spieltag erforderlich. Kurze Pausen werden von den Gruppen individuell in Abhängigkeit vom Spielablauf genommen. Es gibt eine Mittagspause, die genutzt werden kann, um im Spiel verteilte Aufgaben und Rollen zu spielen, und die ausreicht, um etwas Abstand vom Spiel zu gewinnen (1 Stunde).
In der ersten inhaltlichen Phase des Spiels finden sich die Spielgruppen in ihre Rolle. Dazu erhalten sie als Material eine Rollenkarte (M 6 bis M 10), die die Lebensform, in der sie agieren sollen, beschreibt. Dies wird dadurch verstärkt, dass jede/-r Teilnehmer/-in sich eine individuelle Rolle, die zur Lebensform der Gruppe passt, gibt. Zur Unterstützung bei dieser Arbeit erhält jede/-r Teilnehmende eine Tabelle mit Kriterien für die Entwicklung der eigenen Rolle sowie eine persönliche Vorgabe, die er/sie in die eigene Rollenbeschreibung einbaut (M 5 und M 12). Anschließend treffen sich alle im Plenum und jede/-r TN erhält die Möglichkeit, sich in ihrer/seiner Spielrolle vorzustellen. Zurück in den Kleingruppen überlegt sich jede Lebensform-Gruppe, wie sie die Führung über alle Inselbewohner/-innen übernehmen kann, welche Argumente es für ihre Lebensform gibt und warum sie besser ist als die anderen Lebensformen (M 19). Sie stellt Regeln auf, die in ihrer Lebensform gelten sollen. Eine davon ist die Entscheidungsregel, die festlegt, wie in der Lebensform Entscheidungen getroffen werden (M 14 bis M 17).
Das „Die-Beste-Aller-Welten”-Team kann diese Zeit ebenfalls nutzen, um sich in die Rolle einzufinden: Wenn ein Laptop/PC zur Verfügung steht, kommt jetzt das spezielle Material für das Medienteam (Material Medienteam) zum Einsatz. Das Team bekommt durch die Filme (Medien E 1, E 2 und E 3) Anleitungen, was ihre Aufgaben im Planspiel sind, welche Strategien es bei der Arbeit in den Medien und welche Formen der Berichterstattung es gibt und wie sie die ihnen zur Verfügung stehende Technik nutzen können. Wenn sie sich für eine Medienstrategie entschieden haben, können die TN aus dem "Die-Beste-Aller-Welten"-Team in dieser Phase alle Gruppen besuchen, interviewen und filmen (M 18).

Die Lebensform-Gruppen können untereinander verhandeln. Es kann versucht werden, herauszufinden, unter welchen Bedingungen eine Zusammenarbeit möglich ist und wie die Unterstützung anderer bei der Entscheidung darüber, welche Lebensform schließlich in der Inselwelt gelten soll, gewonnen werden kann. Die Sequenz endet damit, dass eine Gruppe, die eine bestimmte Lebensform (Demokratie, Gottesstaat, Monarchie, Diktatur) vertritt, sich im Plenum durchgesetzt hat und damit die Führung der Inselbewohner/-innen in der Reality-Show übernimmt. Zur Verdeutlichung der nun herrschenden Lebensform wird ein Plakat mit ihrem Namen und den in ihr geltenden Regeln im Plenumsraum aufgehängt (M 20). Außerdem werden alle Inselbewohner/-innen in eine Liste eingetragen und der leitenden Lebensformgruppe ausgehändigt (ebenfalls M 20). Dieses Plenum wird gefilmt und am Anfang der nächsten Phase fiktiv gesendet.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Ablauf der Phase 1:

Zeit Inhalt Aufgaben der Spielleitung Aufgaben der TN Material und Einspieler
15 Min.
Vorbereitung des Spiels Die Gruppenraumschilder an die jeweiligen Raumtüren hängen; Materialien zurechtlegen   Insel M 1


15 Min. Kennenlernen des Spiels und Gruppeneinteilung Vortragen der Ausgangslage und der wichtigsten Spielregeln
Und/Oder:
Zeigen des Einspielfilms;

Gruppeneinteilung
Zuhören

Und/Oder:
DVD anschauen;

Gruppenbildung
Insel M 1;


Insel E 1




30 Min. Einarbeiten in die Rollen Material austeilen; Spielregeln einführen;
Von Gruppe zu Gruppe gehen und ggf. helfen;
Insel M 12 zeigt die verschiedenen Rollenvorgaben für die Lehrkraft






Oder:
Die Einspielfilme für die Kleingruppen zeigen, Material austeilen und anschließend von Gruppe zu Gruppe gehen und ggf. helfen


Die Ausgangslagen der eigenen Gruppe lesen;

Den Insel- und Drehplan kennen lernen;

Alleine oder in Zweiergruppen die eigene Spielpersönlichkeit entwickeln, die persönliche Rollenvorgabe mit einbauen;

Oder:
Den Einspielfilm von der DVD gucken, die eigene Ausgangslage noch einmal nachlesen und die eigene Rolle entwickeln (s.o.);

Insel M 11 für das „Die- Beste- Aller- Welten“-Team
Insel M 3;

Insel M 6, M 7, M 8, M 9, M 10;


Insel M 4;


Insel M 5 zum Ausfüllen mit
M 13; (Karte)



Insel M 6-10; Insel E 1 (zweiter Teil);
Insel M 5


Insel M 11
10 Min. Vorstellungs-
runde
Vorstellungsrunde moderieren Jede/-r TN sollte kurz seine Spielidentität vorstellen (auf Basis von M 5 und 13)
50 Min. In Kleingruppen Strategie ausarbeiten und Verhandlung der Gruppen untereinander Wenn technisch möglich, zeigt die Spielleitung dem "Die- Beste- Aller- Welten"- Team die Filme Medien E1-3;
Eine Person der Leitung sitzt in der „Spielzentrale“ und trägt die Treffen zwischen den Gruppen und die Ergebnisse derer in eine Liste ein.
Eine andere Person geht von Gruppe zu Gruppe und hilft ggf.; Sie achtet darauf, dass die Regeln in Übereinstimmung mit der Lebensform der Gruppe erstellt werden
Das "Die- Beste- Aller- Welten"- Team guckt sich die Filme an, entscheidet sich für eine Strategie und macht sich mit der Technik vertraut; Anschließend geht es in die Gruppen, beobachtet, interviewt und filmt;
Die Lebensformgruppen arbeiten zunächst Namen, Motto und Regeln ihrer Lebensform und ihre Strategien aus; dann treten sie ggf. miteinander in Verhandlungen
Medien E 1, E 2 und E 3 und Insel M 18 für das „Die- Beste- Aller- Welten“-Team;



Insel M 14, 15 , 16, 17 und Insel M 19 für die jeweiligen Lebensform-Gruppen


30 Min. Verhandlung im Plenum: welche Lebensform gewinnt? Beobachten des Plenums und ggf. Eingreifen mit Zeitangaben;
Wenn keine Einigung erzielt wird: Ereigniskarte „Zwang zur Entscheidung“ einbringen oder durch einen Hinweis des „Die- Beste- Aller- Welten“-Teams das Ende der Entscheidungsphase beschleunigen;
Sollte auch dann noch keine Einigung erfolgen, verteilt die Spielleitung Stimmzettel (Insel M 22) und es erfolgt eine geheime Abstimmung
Diskussion und Verhandlung in der Gesamtgruppe: Welche Lebensform soll die Insel regieren und welche Regeln werden dann gelten?;
Das „Die- Beste- Aller- Welten“-Team beobachtet und filmt

Wenn die Gruppe keine eigene Entscheidung findet: Abstimmung/Wahl





Evtl. Insel M 21;



Evtl. Insel M 22
10 Min. Vorstellen der neuen Inselregierung Aufhängen des Regel-Plakats (M 20) Die regierende Lebensformgruppe stellt ihren Namen und die Inselregeln noch einmal anhand des Plakats vor und schreibt alle Inselbewohner/-innen in die Liste Insel M 20
20-30 Min.* Pause   Essen, Ruhen, Bewegen  

*Je nach Bedarf/ täglichem (Schulstunden-) Rhythmus.