Gestaltungsmöglichkeiten der Spielleitung – Tipps aus der Praxis

Auch dieser Teil von „Die Beste Aller Welten“ zieht die Teilnehmenden in der Regel sehr schnell in seinen Bann. Aus unseren Erfahrungen wollen wir aber an dieser Stelle auf Möglichkeiten des Umgangs mit einigen typischen Spielsituationen hinweisen.

Günstige Gruppenzusammensetzungen

Wichtig bei der Einteilung der Gruppen ist es – wie bei den ersten beiden Planspieltagen – diese nicht den Jugendlichen selbst zu überlassen. Es soll ein günstiges Arbeitsklima hergestellt werden, das durch eine auf Freundschaften basierende Zusammensetzung eher untergraben wird. Es ist sinnvoll, wenn die Gruppen eine gute „Mischung“ aus aktiven, engagierten, leistungsstarken Jugendlichen und solchen, die eher mitgezogen werden müssen, abbilden. Auch die Geschlechterverteilung kann hier wieder eine Rolle spielen: die Spielleitung muss selbst einschätzen, ob die Gesamtgruppendynamik eine gelegentliche Trennung von Mädchen und Jungen für die Kleingruppenarbeit anbietet. Oft kann dies sinnvoll sein, um eine gute Arbeitsatmosphäre herzustellen, in der auch Stillere aktiv werden können/müssen.
Ziel ist es, dass die von den Jugendlichen entworfenen Fragesets nicht zu große Unterschiede in Niveau und Komplexität aufweisen, die beim Spiel wiederum große Unterschiede zwischen den Gruppen offenbaren, der Gesamtgruppendynamik schaden und Einzelnen den Spaß verderben können.

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Was tun, wenn die Jugendlichen starke Schwierigkeiten haben, eigene Fragen zu entwickeln

Für manche Gruppen bildungsbenachteiligter Jugendlicher stellt schon das Formulieren von Fragen eine Schwierigkeit dar. Andere empfinden auch die Inhalte der Fragen aus dem Bereich der Politik als Herausforderung. Wenn solche Probleme in Ihrer Gruppe auftreten, können Sie das Spiel erleichtern, indem Sie die Anzahl der Fragen minimieren, die einzelne Gruppen stellen müssen. Es können dann z.B. jeweils zwei Gruppen aus der Hälfte der Fragen ein Spiel erstellen, indem sie ihre Fragen zusammentragen.
Sie können außerdem Unterstützung bieten, indem Sie die Handhabung des Lexikons vor oder während der Kleingruppenarbeit genau erklären und in der Gesamtgruppe beispielhaft Fragen entwickeln lassen.
Sehr günstig ist auch, dabei an kürzlich behandelte Themen im Politikunterricht anzuknüpfen und ggf. schon verwendete Unterrichtsmaterialien nochmals zur Verfügung zu stellen. So erzielen Sie nicht nur auf spielerische Weise einen Wiederholungseffekt, sondern knüpfen an schon Bekanntes an, was zu schnellerem Verständnis und Erfolgserlebnissen führen kann.
Generell gilt: Sie können Ihren Schüler/-innen viel zutrauen. Aus der Evaluation dieses Planspiels haben wir erfahren, dass – nach Selbsteinschätzung der Schüler/-innen – an diesen Tagen viel ernsthafter und engagierter mitgemacht wird als im normalen Schulalltag. Und gerade bei diesem Wissensspiel waren wir selbst überrascht, wie leicht es den meisten als bildungsfern eingeschätzten Schüler/-innen nach der Einarbeitungszeit fiel, sich spannende Fragen zu überlegen.

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Was tun, wenn die Jugendlichen für ihre Mitschüler/-innen zu schwere Spezialwissensfragen entwickeln

In der Erprobung dieses Spieltages ist es mitunter vorgekommen, dass die Jugendlichen mit Hilfe des beigefügten Lexikons Fragen entwickelt haben, die ein Spezialwissen abfragten, welches die anderen TN nicht haben konnten. Das Lexikon enthält eine Fülle von Informationen, die nicht alle zur Allgemeinbildung gehören und schon gar nicht bei bildungsbenachteiligten Jugendlichen vorausgesetzt werden können, die aber von manchen Gruppen gerne ihren Mitschüler/-innen vorgesetzt werden. Solche Fragen können später den Spielverlauf stören und vor allem bei den Freiwilligen unnötige Misserfolgserlebnisse provozieren.
Um das zu vermeiden, sollten Sie vorher sowie während der Erstellungsphase die Anweisung geben, entweder

  • nur Fragen zu stellen, die sie auch selbst beantworten könnten oder
  • höchstens drei für sie selbst sehr schwierige Fragen zu stellen, die dann aber mit einem Joker zu beantworten sein müssen oder
  • nur solche für sie selbst schwierige Fragen zu stellen, die auch von allgemeinem Interesse sind (also z.B. nicht nach der Person zu fragen, die die Europa-Münze entworfen hat, sondern eher nach dem Namen, der sich hinter der NATO verbirgt) oder
  • bei sehr schwierigen Fragen für ein bis zwei der möglichen Antworten abwegige Lösungen zu wählen, um das Ausschlussverfahren zu erleichtern.

Außerdem können Sie natürlich in der Kleingruppenphase herumgehen und ggf. mit Impulsen eingreifen.

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Einsatz des Spiels und seine didaktische Begleitung

Dieses auf der Wissens- und Sachebene angesiedelte Spiel kann gut genutzt werden, um Unterrichtsinhalte zu vermitteln. Sie können es entweder – wie hier ursprünglich vorgesehen – mit politischen Inhalten füllen oder nach der ersten Spielrunde (dem vorgegebenen Frageset) auch andere Inhalte zum Thema machen. Dafür ist es wichtig, das Spiel didaktisch zu betreuen. Das heißt, Sie sollten auch über die Spielfragen hinausgehenden Fragen Raum geben oder solche selbst einbringen, wenn Sie es für wichtig halten. Bei dem Format „Quiz-Show“ besteht die Gefahr, dass die Neugierde auf die nächste Frage die Antwort der vorherigen in den Schatten stellt. Deshalb wurde das Spiel so programmiert, dass Sie nach einer Antwort das Ergebnis besprechen und kommentieren können. Erst auf einen Klick geht es dann weiter. Diese kleinen Pausen geben Ihnen die Gelegenheit, einzuhaken und zu vertiefen. Dies sollte allerdings nicht den Spielfluss zu stark unterbrechen oder in Frontalunterricht umschlagen.
Außerdem sollten Sie sich bereit halten, die Rolle des „Lehrerjokers“ auszufüllen. Das kann – je nach Frage – auch für Lehrende recht anspruchsvoll sein. Die Schüler/-innen wandeln diesen oft von sich aus in den von der Quiz-Show bekannten „Telefonjoker“ um und mimen mit dem Handy ein Telefongespräch mit dem/der Lehrer/-in. Ein solches Rollenspiel ist günstig, damit Sie dabei eine andere Rolle als die der Spielleitung annehmen können – wobei auch bei Günther Jauch die Telefonjoker nicht alles wissen (müssen).

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