Gestaltungsmöglichkeiten der Spielleitung – Tipps aus der Praxis

Ein Planspiel zieht die Teilnehmenden (TN) in der Regel sehr schnell in seinen Bann. Materialien und Geschichte fordern von allen Beteiligten aufmerksames Mittun. Aus unseren Erfahrungen mit Planspielen wollen wir aber an dieser Stelle auf Möglichkeiten des Umgangs mit einigen typischen Spielsituationen hinweisen.

Der Rap „Scheiß auf Politik“ als Einstieg ins Planspiel

Optional kann zu Beginn des Planspiels „Rüsseldorf“ der Rap „Scheiß auf Politik“ gezeigt werden (Leben E 0). Dieser wurde von zwei Schülern selbst konzipiert, geschrieben und gesungen. Man kann ihn sehr gut als Motivation zu Beginn des Planspiels „Rüsseldorf“ einsetzen: Entweder bindet man den Rap in die Spielhandlung ein (die Rapper könnten z.B. zwei Jugendliche aus Rüsseldorf sein, die sich für das geplante Jugendzentrum einsetzen und die nun dafür plädieren, sich mehr für Politik zu interessieren). Dann sollte der Rap erst nach der Einleitung ins Spiel (Ausgangslage Rüsseldorf: Leben M 1 oder E 1) gezeigt werden, damit die TN schon wissen, worum es geht. Oder aber man bindet ihn nicht inhaltlich ein, sondern verwendet ihn ganz zu Beginn des Spiels, um die TN ganz allgemein für die politische Partizipation, die sie an diesem Tag erproben werden, zu begeistern. In beiden Fällen sollte nach dem Rap kurz darüber gesprochen werden. Lassen Sie die TN den Inhalt interpretieren: Was wollen die Jugendlichen mit ihrem Text ausdrücken? Welche Zeilen sind besonders eingängig? Welche Schlüsse kann man aus dem Text ziehen? Auch am Ende des Planspieltages kann noch einmal kurz darauf eingegangen werden: Wie ist der Text vor dem Hintergrund der Geschehnisse des Tages zu verstehen?

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Was tun, wenn kein Leben in das Spiel kommt?

In dem Lebenswelt-Setting verläuft die Konfliktlinie zwischen der Jugendinitiative und der Opposition auf der einen Seite (Zustimmung zum Jugendzentrum), und der Anwohnerinitiative und der Mehrheit (Ablehnung) auf der anderen. Die Stadtverwaltung hat eine eher ausgleichende Funktion. Sollte das Spiel nicht in Gang kommen, liegt es meistens daran, dass eine der Gruppen, die das Jugendzentrum ablehnen, ihre Position nicht engagiert genug vertreten. Häufig fehlen den Teilnehmenden dann Handlungsoptionen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt: Man kann die Stadt wegen Wertminderung der Grundstücke auf Schadensersatz verklagen, eine Großdemonstrationen durchführen, Unterschriften sammeln, Skandale enthüllen, die Kommunalaufsicht einschalten etc. Die Spielleitung kann in so einem Fall die betreffenden Gruppen noch einmal darauf hinweisen bzw. entsprechende Ereigniskarten spontan einspielen.

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Was tun, wenn die Jugendlichen/die Nachbarn nicht auf Entscheidungen von Rat und Verwaltung warten wollen?

In den meisten Bundesländern gibt es die Möglichkeit, einen Einwohnerantrag zu stellen. Dieser hat den besonderen Vorzug, dass er auch von Minderjährigen gestellt werden kann, für die Zielgruppe dieses Planspiels also besonders interessant ist. Mit einem Einwohnerantrag können alle Einwohner/-innen einer Gemeinde (in der Regel nach mindestens dreimonatigem Aufenthalt) Anträge an die Gemeinde / den Stadtrat stellen, die diese/r beantworten muss. Alle Menschen ab 14 bzw. 16 Jahren sind – unabhängig von ihrer Nationalität – antragsberechtigt.
Darüber hinaus gibt es in allen Ländern (mit Einschränkungen in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg) die Möglichkeit, einen Antrag auf Durchführung von Bürgerbegehren mit dem Ziel eines Bürgerentscheides zu stellen.
Hierzu ist das Erreichen eines bestimmten Quorums erforderlich. Die Zahl der notwendigen Unterschriften für das Bürgerbegehren liegt zwischen 8 % in kleinen Gemeinden und 2 % der Wahlberechtigten in Großstädten. Beschließt der Rat anschließend das, was im Bürgerbegehren beantragt wurde, ist die Sache erledigt. Wenn nicht, kommt es zum Bürgerentscheid, für den unterschiedliche Quoren zur Wahlbeteiligung bestehen. Die Bürger entscheiden dann qua Mehrheit.
Eine Situation, die ebenfalls nicht selten ist, betrifft den Wunsch, den/die Bürgermeister/-in abzuwählen. Dies ist zwar im Sinne der Ausgangslage des Planspiels „Rüsseldorf“ nicht notwendig, Schüler/-innen möchten das aber manchmal versuchen. Auch für diesen Fall sehen die Gemeindeordnungen der Länder Deutschlands unterschiedliche Regelungen vor. Grundsätzlich steht vor einem Bürgerentscheid über die Abwahl eines/einer Bürgermeister/-in eine Entscheidung des Rates darüber, dass der/die Amtsinhaber/-in ersetzt werden soll. Das letzte Wort hat aber in fast allen Ländern der/die Bürger/-in.
Zur weiteren Information hier klicken.

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Was tun, wenn eine zusätzliche Spielgruppe im Verlauf benötigt wird?

In diesem Fall wird diese Rolle im Spiel von der Spielleitung simuliert und die jeweiligen Aktionen werden in das Spiel integriert. Ein Beispiel: Der/die Bürgermeister/-in nimmt einen Antrag der Opposition nicht in die Tagesordnung für die nächste Ratssitzung auf. Begründung: „Die Tagesordnung mache ich!“. Nun könnte die Opposition die Kommunalaufsicht einschalten. Da es diese im Spiel jedoch nicht gibt, wendet sie sich an die Spielleitung, die als Kommunalaufsicht den/die Bürgermeister/-in anweist, für diesen Punkt eine eigene Ratssitzung durchzuführen.

Zur weiteren Information siehe:

http://www.lexsoft.de/lexisnexis/justizportal_nrw.cgi?skin=nrwe&xid=146702,67

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Was tun, wenn sich alle Gruppen sehr schnell und ohne Auseinandersetzung einigen?

In einem solchen Fall kann die Spielleitung die Anforderungen erhöhen, z.B. dadurch, dass der Rat eine Hausordnung beschließen muss, die von allen beteiligten Gruppen bis ins Detail getragen wird. Zugleich ließe sich in dieser Situation auch eine Ereigniskarte einspielen, dass die Grundstückspreise in dem Wohngebiet des Jugendzentrums stark gefallen sind.

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Was tun, wenn eine Gruppe nicht weiter weiß?

Die Spielleitung sollte während des ganzen Spiels Ansprechpartner/-in für die Teilnehmenden sein. Weiß eine Gruppe nicht mehr, was sie noch tun kann, sollte die Spielleitung beratend zur Verfügung stehen, Tipps geben und verschiedene Handlungsmöglichkeiten mit der Gruppe durchsprechen.

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Nutzung der Materialien 16 und 17 zur Strukturierung der Verhandlungsphase

In den Verhandlungsphasen des Spiels muss der/die Spielleiter/-in den Überblick darüber behalten, welche Gruppe gerade mit welcher anderen Gruppe verhandelt. Bei leistungsstärkeren Teilnehmenden kann es zu einer Vielzahl von diesen Gesprächen kommen. Nach den Spielregeln müssen solche Kontakte bei der Spielleitung angemeldet werden. Erfahrungsgemäß halten sich die Gruppen auch an diese Regel. Material 16 gibt die Möglichkeit, die wichtigsten Informationen auf einem Blatt zu notieren. Darüber hinaus hilft das Material 17, auf dem die Gruppen ihren Gesprächswunsch anmelden, bei der Verwaltung der Spielzüge und erleichtert es, auf bestimmte Spielsituationen nach dem Spiel noch einmal einzugehen.
Die Übersicht über die Gruppenkontakte und das Gruppenkontaktformular vereinfachen die Spielleitung in der Phase der Gruppenkontakte sehr, sind aber in den Fällen entbehrlich, in denen die schriftliche Fixierung der Kontaktziele zu größeren Spielverzögerungen führen würde. Wie oft Sie diese Formulare kopieren, hängt also von ihrer Einschätzung des Aktivitätsniveaus Ihrer Teilnehmenden ab.

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